Kompetenzorientierung als Ergänzung zur Abschlussorientierung: ein Weg zur Fachkräftesicherung

In vielen Unternehmen orientiert sich die Personalarbeit noch stark an formalen Abschlüssen. Bewerbungsprozesse sind nach Titeln sortiert, Karrierewege verlaufen entlang von Zertifikaten.
Wer keinen formalen Nachweis vorweisen kann, hat es oft schwer – auch wenn praktische Fähigkeiten vorhanden sind. Dadurch können sowohl externe Bewerbende als auch interne Mitarbeitende mit Potenzial übersehen werden.
Gerade in einer Zeit schneller Veränderungen kann es sich jedoch lohnen, neben den Abschlüssen auch die Kompetenzen stärker in den Blick zu nehmen. Kompetenzen entstehen nicht nur in Studium oder Ausbildung, sondern auch durch Berufserfahrung, Weiterbildungen, ehrenamtliches Engagement oder Selbststudium.
Warum Kompetenzorientierung eine zusätzliche Chance bietet
- Erweiterung des Talentpools: Wenn Unternehmen neben Zertifikaten auch Fähigkeiten berücksichtigen, lassen sich Potenziale erschließen, die sonst leicht übersehen werden – etwa bei Quereinsteigenden oder Menschen mit untypischen Lebensläufen.
- Passgenauere Besetzungen: Durch die Kombination von Abschluss- und Kompetenzsicht können Stellen genauer mit denjenigen besetzt werden, die sowohl die notwendige Qualifikation als auch die passenden Fähigkeiten mitbringen.
- Förderung von Motivation und Bindung: Mitarbeitende, deren Kompetenzen gesehen und weiterentwickelt werden, fühlen sich stärker wertgeschätzt – unabhängig von ihrem Bildungsweg.
- Zukunftsfähigkeit: Kompetenzen ergänzen die klassische Qualifikation, indem sie eine flexible Weiterentwicklung ermöglichen. Das hilft, schneller auf neue Marktanforderungen zu reagieren.
Wie gelingt die Verbindung von Abschluss- und Kompetenzorientierung?
- Stellenausschreibungen überprüfen: Nicht jede Tätigkeit erfordert zwingend ein bestimmtes Zertifikat. Wo möglich, sollte stärker betont werden, welche Kompetenzen tatsächlich gebraucht werden.
- Kompetenzen sichtbar machen: Digitale Tools, Kompetenzprofile oder Assessments können helfen, vorhandene Fähigkeiten systematisch zu erfassen – ergänzend zu formalen Qualifikationen.
- Gezielte Weiterbildung: Wer Kompetenzlücken kennt, kann Weiterbildungsmaßnahmen passgenauer gestalten – als Ergänzung zur formalen Qualifikation.
- Kulturwandel gestalten: Ein offener Umgang mit beiden Sichtweisen – Abschlüssen und Kompetenzen – verhindert Abwehrhaltungen und sorgt für Akzeptanz im Unternehmen.
Fazit
Kompetenzorientierung ersetzt die Abschlussorientierung nicht, sondern ergänzt sie. Abschlüsse bleiben weiterhin ein wichtiges Signal für Qualifikation. Gleichzeitig eröffnet der Blick auf Fähigkeiten zusätzliche Chancen für Unternehmen, die Fachkräfte gewinnen, halten und entwickeln möchten. Wer beides verbindet, sichert sich einen breiteren Zugang zu Talenten und stärkt die Zukunftsfähigkeit seiner Organisation.